Sonntag, 20. Mai 2018

Von Affen und Säuen

Es gibt diese emotional und psychisch anspruchsvollen Zeiten, an deren Ende man einfach nur im Schwall abkotzen möchte.
(Wutkotzen - funktioniert übrigens nicht. Ich hab's probiert.)

So eine Woche habe ich hinter mir.

Abkotzwunsch No. 1:
Im Büro haben wir nun eine Langzeit-Praktikantin.
Sie muss im Rahmen einer Umschulung ein Pflichtpraktikum machen.
Wieso wir Praktikanten aufnehmen, ist mir ein Rätsel, denn niemand fühlt sich verantwortlich und fragste den Teamchef, schlägt der bloß vor, dass wir sie nutzen sollen, um die Berge Liegengebliebenes (aka Ablage) abzuarbeiten.
Beim Anblick des Bergs Liegengebliebenes guckte die Praktikantin unamused, meinte, dass sie wegen sowas nicht hier sei, heftete aber dennoch widerwillig 3 Briefe ab und widmete sich anschließend ausgiebig ihrem Handy.
Hände und Augen ließ sie auch dann noch am Gerät, als ich mich ihrer erbarmte und ihr, trotz Zeitmangels, meinen Fachbereich erklärte.
Nun ja, wer nicht will...
Irgendwann stürzte sie zum Klo und kam nach einer Ewigkeit mit tränenumflortem Blick zurück.
"Es hat wieder nicht geklappt," wisperte sie mir zu. "Ich bin wieder nicht schwanger. Ich hab gerade meine Tage bekommen. Und das obwohl der Test, den ich heute gemacht habe, 2 Streifen angezeigt hat! Wir versuchen's schon so lange! Mein Freund will jetzt seine Spermien untersuchen lassen."
WAAAH!
Ey, HALLO?!
Too much information, Keule!
Ich, dennoch Interesse heuchelnd: "Wie lange probiert ihr denn schon?"
Sie so: "4 Monate! *schneuz*"
VIER MONATE?!
Kopf<->Tisch. Facepalm. usw...
Nu ja, dass sich als Mittdreißigerin da Panik einstellt, kann ich nachvollziehen.
Dass sie sich seit 2 Jahren eine Umschulung finanzieren lässt, um letztendlich eh nicht zu arbeiten, weil dann erstmal schwanger und in Erziehungszeit, finde ich dann doch recht schmarotzerig, wozu dann die Mühe? Dann kann sie gefälligst auch meine Ablage erledigen.
Jedenfalls hockt sie nun im Weg rum, schmollt nichtstuerisch, googelt Brautkleider und Bugaboos oder bleibt tagelang weg wegen Migräne.


Abkotzwunsch No. 2 kam in Gestalt einer Teamsitzung daher, in die meine Kollegen und ich große Hoffnungen gesetzt hatten, da wir Beschwerden über das asoziale Verhalten von, nennen wir sie: Ollie, anbringen wollten.
Für Ollie sind Rücksichtnahme, Respekt und Datenschutz Fremdwörter.
Sie filmt zum Beispiel fremde Whatsapp-Statüsse ab, um diese ungeniert herumzuzeigen.
Sie hat ein ungesundes Interesse am Privatleben anderer und sobald sie dank des Vize-Teamchefs (nennen wir ihn Stan), mit dem sie ein Techtelmechtel hat, an Daten wie Familienstand, Geburtstag, etc. gekommen ist, tratscht sie diese in der Firma 'rum.
Sie labert und kichert nonstop und das in diesem glockenhell/schrillen Ton, der einem das Trommelfell scheppern lässt.
Und dann neulich: Stan und Ollie alberten herum, als Kollegin X bat darum, leiser zu sein, da Kollege Y gerade mit einem Kunden telefonieren würde.
Ollie bölkte zurück: "Ja und, was willst du dagegen tun?!"
Und Stan legte nach: "HEUL DOCH! Aber leise, Kollege Y telefoniert!"
Grundsätzlich ein guter Konter *grins*, aber völlig respektlos den beiden Kollegen gegenüber und unprofessionell dem Kunden gegenüber, der das bei der Lautstärke zweifelsohne gehört hat.
Zu unser aller Unglück arbeitet Ollie nun an ihrem 47er BMI und hat sich zu diesem Zwecke einen Fitnesstracker umgeschnallt, der sie stündlich auffordert, 300 Schritte zu tun.
An der frischen Luft ist es ihr wahlweise zu kalt oder zu warm, also marschiert sie in unserem Großraumbüro um meinen Schreibtisch, da dieser in der Mitte steht und die der anderen an den Wänden.
Auf mein Bitten, dies woanders zu tun, oder besser noch: in ihrer SCHEISS FREIZEIT!, bekam ich ein: "Jaul' nich rum!"
Selbstverständlich haben wir sie alle schon mehrfach darum gebeten, ihr dümmliches Geschiss abzustellen. Erfolglos.

Um so größer die Hoffnung auf besagte Teamsitzung.
Lange Rede, kurzer Bums:
Der Teamleiter lachte sich schlapp über den Konter.
Stan rechtfertigte sein HEUL DOCH! mit "Aber X hat angefangen! Die war den ganzen Tag selber so laut! Mimimi!"
Und auf mein Bitten, dass Ollie ihre 300 Schritte gefälligst nicht um meinen Schreibtisch machen soll, fragte der TL nur: "Um welchen soll sie denn sonst laufen? Ihr eigener steht ja an der Wand!"
Fazit:
Da Ollie die einzig Übriggebliebene in ihrem Fachbereich ist, hat sie offenbar Queenstatus und somit Narrenfreiheit.
Unfassbar. Ich bin in einem Affenhaus gelandet.

Dann brach endlich das erlösende, lange Wochenende und somit Abkotzwunsch
No. 3, an.
Ich hocke am Samstag mittag hinter der Wohnungstüre und binde mir die Schuhe zu, als ich höre, wie die Irre, die über mir wohnt, vorbeilatscht, vor meiner Tür Halt macht und zu jemandem sagt:
"Und die hier ist 'ne richtige Sau! Guck mal! Wisperwisper...ganz schwarz..."
???
Türe auf:
"Hallo?! Wenn du schon vor meiner Wohnung stehen und über mich lästern musst, würdest du mich bitte nicht als Sau bezeichnen?!"
Die Irre und ihr Begleiter glotzen ertappt.
"Oh...äh, äh, äh, öhm, öhm, öhm. Ich meinte gar nicht dich, sondern ...äääääh... meine Tante!"
Ach so, na klar, sie nennt ihre Tante, unsere Vermieterin, Sau.
"Weil...?!"
Sie zeigt mir, dass die Innenlängsleiste(?) vom Treppenhausfenster ganz schwarz war und sie die sauber schrubben musste, obwohl das gar nicht ihre Etage ist.
Hat schon mal irgendjemand jemals auf die Leiste von einem Treppenhausfenster geguckt, das man sowieso nie öffnet?!
Also außer dieser Irren?
Sie stottert noch was von "Wir werden in unserem Leben keine Freunde mehr blabla.."
Ich biete ihr WIEDER an, mir direkt ins Gesicht zu sagen, wenn sie was nervt und nicht immer nur im Treppenhaus rumzuschwallen, wie neulich, als Lucky in der Badewanne saß und sie durch's Haus brüllte "WAS IST DENN DA UNTEN LOS?!"
Ich begriff erst, dass sie uns und unseren Bade"lärm" meinte, als die Vermieterin klingelte; die hatte sie wohl wutenbrannt angerufen.
Sie bemängelte dann noch, dass ich das Treppenhaus nicht wöchentlich putzen täte (schuldig!) und dass der Pilot, wenn er Lucky vom Besuchstag zurückbringt, vor ihrer Garage parkt.
Mein Einwand, dass das 1x im Monat Samstag Abends für ca. 20 Minuten der Fall sei, gilt nicht, schließlich "ist das kein öffentlicher Parkraum."
Mann Mann Mann.

Wir erinnern uns:
Sie hat irgendeine Psychose am Laufen und ich bin, seit ich vor zig Jahren hier einzog, ihr ganz persönlicher Feind. Keine Ahnung, ob das so muss, ich kenn mich mit dem Krankheitsbild von Psychotikern nicht aus; ich hoffe nur, dass sie mir nicht irgendwann mit einer Machete den Kopf abschlägt, weil ich die Gardinenstange vom Treppenhausfenster nicht desinfiziert habe.
Wir gehen uns bewusst aus dem Weg und haben uns Monate nicht gesehen, umso geschockter war ich, dass ich IMMER NOCH ihr ganz persönliches Feindbild bin.

Nun ja, ich versprach ihr, die Treppe öfters zu putzen und die Leiste auch, bitte sie meinerseits, nicht jede Nacht um 1 die Jalousie runterkrachen zu lassen, weil wir dann nämlich aus dem Schlaf hochschrecken und wünsche ihr "Trotzdem schöne Pfingsten!".

Zur Ablenkung wollte ich dann die Märchenhochzeit bei Königs gucken, aber Lucky bölkte mir dauerhaft dazwischen, weil er "KIKA KUCKÄÄÄÄN!" wollte.
Zu seinem Glück war ich viel zu erschöpft, um ihn k.o. zu schlagen..

Boach, diese ganze Psychokacke kann ich gar nicht ab.
Um mich von dieser Woche zu erholen, bräuchte ich mindestens 3 Wochen Auszeit.

Was bleibt? Irgendwelche Lerngeschenke?
Hm, außer "Lächeln und winken, denn du kannst sie nicht alle töten" eigentlich nicht.

Und nun entschuldigt mich, ich muss ins Darknet, 3 Flaschen Schlafsaft kaufen....
1 für Ollie, 1 für die Irre und 1 für Lucky.
Oder doch nur 1 für mich...?


Solche Dreckecken mutet man uns Mietern zu, aber ICH bin hier die Sau im Haus, is' klar, ne?



Samstag, 12. Mai 2018

Wechseljahre - Status Quo

Der Mönchspfeffer, der mir fast 10 Monate die scheiß Hitzewellen vom Leib gehalten hat, wirkt nicht mehr!


Ich schwitze also wieder regelmäßig vor mich hin, laufe dabei dunkelrot an und versuche, mir durch die Nutzung eines pinkfarbenem Spitzenfächers, ein bisschen Restwürde zu erfächeln.

Und überhaupt, was ich da seit 4 Wochen gerade durchmache, ist unter aller Sau.

Ich wache derzeit jeden Morgen in einem anderen Zustand auf.
Meistens in einem schlechten.
  • Panikattacken
  • hoher Blutdruck
  • niedriger Blutdruck
  • schmerzende Gelenke
  • Schwindel
  • hyperempfindliche Haut (willst du mich töten, schenk mir einen Strickpulli)
  • Lachkrämpfe
  • Heulkrämpfe
  • ungesundes Interesse am Thema Sterben
  • Verzweiflung aufgrund des nahendes Todes
  • morgendliche Übelkeit
  • neuerdings irrationale, panische Angst vor Dunkelheit
  • Ziehen in den Knochen (wie mein Wachstumsschmerz anno 1977)
  • Migräne mit Aura
  • plötzliche Abneigung gegen Schweinefleisch (das einzige Fleisch, das ich je mochte)
  • ad hoc einsetzende Müdigeit gegen 18 Uhr
  • Wortfindungsstörungen
  • Appetitlosigkeit bei gleichzeitigem Heißhunger auf Nüsse, Bier und Papaya
  • Fordyce-Flecken an den Lippen (ausgerechnet da! Ich werde ungeküsst sterben!!)
  • Ganzkörperschmerz (gerne nach körperlicher "Anstrengung", wie z. B. ein Paket Kopierpapier von A nach B getragen zu haben)

Ja sicher, alles gleichzeitig, was dachtet ihr denn?!
Kurz: ich bin ein Wrack.
Einzig Haare und Fingernägel wachsen vorbildlich.
Anstrengend und beängstigend.
Wachstum, Pubertät und Schwangerschaft gleichzeitig.
Natur, ey, wat haste dir dabei bloß gedacht?!

Da mich allerdings ein gewisser Ehrgeiz gepackt hat (Motto: "Ich lass' mich doch von meinem eigenen Körper nich ficken!"), weigere ich mich weiterhin, Ersatzhormone zu mir zu nehmen, ich bin schließlich nicht krank, sondern bloß auf dem absteigenden Ast.
Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht so überstehe.

Und da kommt ihr ins Spiel, ihr älteren Damen da draußen:
Erfahrungen mit Ernährungsumstellung anyone?
Es geht mir aber nicht um kalorienarm, sondern um Symptomlinderung.
Für ein paar dufte Tipps wäre ich sehr dankbar.

Und nun entschuldigt mich, Barbara Schöneberger moderiert gerade den ESC und trägt dabei ein so schönes Outfit, da muss ich erstmal ein halbes Stündchen drüber weinen.
Oder lachen.
Oder beides...



Samstag, 28. April 2018

Der lustige Herr Asperger

Neulich bei Facebook schrub jemand:
"Jippieh! Um 20.15 Uhr kommt meine Lieblingsautistin Kommissarin Heller im ZDF!"

Ich persönlich gucke ja lieber Filme mit Einbeinigen, weil die so putzig hoppeln.*
Tja, so hat jeder seine eigenen Vorlieben, ne?
*SCHERZ!

Ich finde übrigens nicht, dass die Heller aspergerisch ist, sondern schlicht mufflig, untervögelt und mies sozialisiert.
Aber was weiß ich schon, ich bin ja kein Psychiater.

Menschen, die sich atypisch, unbeholfen und nicht regelkonform benehmen, sorgen ja gerne mal unfreiwillig für Erheiterung.
Deshalb hat Hollywood ja auch die Asperger-Autisten für sich entdeckt.

Wer kennt sie nicht?
Sheldon Cooper, Mr. Monk, die geniale Greys-Anatomy-Chirurgin Dr. Dixon, Kommissarin Noren aus "Die Brücke", der kleine Brick aus "The Middle", Raymond aus "Rain Man", Astrid aus "Fringe", usw.

Was aber auf der Leinwand witzig 'rüberkommt, ist es in echt -Überraschung!- nicht.

Mein neuer Kollege hat das Asperger-Syndrom und es nicht lustig, sondern anstrengend.
Also nicht ER ist anstrengend, er ist ein ganz höflicher, sympathischer, humorvoller junger Mann, der ein absolutes As in seinem Fachgebiet ist
Aber der Umgang mit ihm verlangt nach "Vor'm Reden denken!".
Da ist Feingefühl gefragt.
Man kann nämlich nicht einfach so wie immer daherschwätzen, man muss* darauf achten, was und wie man etwas formuliert.
*MUSS man natürlich nicht, es sei denn, man ist ein netter Mensch und an einem guten Arbeitsklima interessiert, in dem sich alle wohlfühlen.

Und dann fällt einem erstmal auf, wie oft und üppig man sich an Ironie, Sarkasmus und Zynismus bedient, die der Neue als solche nicht erkennt und alles wortwörtlich ernst nimmt.

Da ist es ganz besonders doof, wenn der profilneurotische Teamleiter ein dauersarkastischer Sack ist, der zwar um die Erkrankung des Kollegen weiß, sich aber null darum schert und es so zu einigen verunsichernden Situationen kommt.

Man muss auch die Wahrheit vertragen können, denn der Neue ist gnadenlos ehrlich.
Fragt man zum Beispiel in die Runde: "Meine neue Hose trägt doch auf, oder?" Rufen alle unisono: "Aber nein!"
Außer der Neue, der sagt JA.
Neulich zum Beispiel, in der Raucherecke:
"Ich wäre gerne eine Katze," hatte die einarmige Buchhalterin gesagt.
"An deiner Stelle wäre ich lieber eine Eidechse," meinte da der Neue. "Dann würde dir ein Arm nachwachsen, denn blabla..." und er hob an zu einer kleinen Abhandlung über Reptilien im Allgemeinen und Eidechsen im Besonderen.
Hui, hm, also, sowas hätte sich kein anderer getraut.
Für den jungen Mann aber nur logische Konsequenz: lieferste ein Stichwort, liefert er ab.

Aber ich bin eh ein Fan von Ehrlichkeit am Arbeitsplatz.
Einfach geradeaus sagen, was los ist und das Problem lässt sich aus der Welt schaffen.
Und während der Teamleiter unverständlich um jeden heißen Brei herumlabert, weil er sich ja nicht negativ besetzen will (siehe Lektion 1 im Handbuch "Mitarbeiterführung für Anfänger"), sorgt der Neue durch seine direkte Art für schnelle Lösungen.

Andererseits braucht er auch klare Ansagen.
Ein von der Kollegin diskret angedeutetes "Verpiss dich, wir wollen quatschen, Junge!" "Können Juliane und ich uns mal eben privat unterhalten?" quittiert er mit einem "Ja klar" und bleibt bei uns stehen.

Lange Rede, kurzer Bums (wie Nicolette immer so schön sagt):
Der lustige Herr Asperger / die lustige Frau Asperger haben es bestimmt nicht leicht, durch's Leben zu kommen und deshalb halte ich so eine Störung oder Krankheit für echt nicht geeignet, um als Comedy-Grundlage herzuhalten.
Wer kommt immer auf sowas?!
Hollywood halt, die vermarkten ja alles, wenn's ordentlich Kohle bringt.

Also, seid nett und hilfsbereit zu allen* und lacht nicht über Andersartige!

Eure Juliane


*außer zu den Arschkrampen natürlich, is klar,ne?!

Sonntag, 22. April 2018

Wir müssen reden, ihr unsensiblen Stiesel!

Stellt euch folgendes Szenario vor:
50 Jahre lang seid ihr kerngesund und mopsfidel durch's Leben gestratzt; von ein paar Kleinigkeiten wie Magen/Darm und 'ner gelegentlichen Blasenentzündung mal abgesehen.
Und dann, aus heiterem Himmel, zack! sind se plötzlich da: fiese gesundheitliche Malessen.

Ihr kippt ohne ersichtlichen Grund aus den Latschen, einfach so, innerhalb von Sekunden haut's euch aus den Socken und ihr habt gerade noch Zeit, euch zu Boden zu werfen.
Und das 3 mal innerhalb von wenigen Wochen.
Wobei die Situation beim 3. Mal so dermaßen eskaliert, dass ihr den Notarzt ruft, weil euer Blutdruckmessgerät ü210/100 anzeigt.

(Die Leserinnen mögen sich nun bitte die ewige Warnung ihrer Ommas in Erinnerung rufen: "Immer gute Unterwäsche tragen, falls Du mal vom Bus überrollt wirst und die in der Notaufnahme deine Klamotten aufschneiden müssen!".
Glaubt mir: noch dööfer ist es, KEINE Unterwäsche (präzise gesagt: BH) zu tragen!
Man muss dann womöglich von der Küche, wo es einen umgehauen hat, auf allen Vieren ins Schlafzimmer krabbeln, um sich da einen BH aus der Lade zu grabschen, sich halbsitzend die Bluse ausziehen, merken, dass man sich besser so-fort! wieder hinlegen sollte und statt dass einem Gevatter Tod Sorgen macht, einen vielmehr die Aussicht paniken lässt, dass einen der höchstwahrscheinlich supersexy Notarzt oben ohne vorfinden wird. Und wir sprechen hier von einem 50 Jahre alten oben ohne.)

Der (übrigens KEINESFALLS supersexy) Notarzt kommt, checkt ein paar Werte und die Versicherungskarte, nimmt euch mit, schenkt eurem Kleinkind den berühmten Notfallbär und ihr liegt dann in der Ambulanz herum, angeschlossen an den Herzmonitor.
Glücklicherweise reguliert sich euer Zustand eigenständig, ohne Zuhilfenahme von Medikamenten, so dass ihr nach 2 Stunden wiederhergestellt seid und -allerdings gegen ärztlichen Rat- nach Hause gehen könnt.

Der Hausarztbesuch am nächsten Werktag beschert euch eine Packung Betablocker und eine Handvoll Überweisungen für eine 24h-Blutdruckmessung, Blutwertecheck und sogar ein Schädel-CT.
Puh.
Ganz schön besorgniserregend, nicht wahr?

Als social-media-Profis, die ihr seid, habt ihr aus der Notaufnahme natürlich ein Foto samt Status online gestellt.
Ihr bekommt netterweise eine Menge Nachrichten mit lieben Besserungswünschen, aber...
und nun komme ich zum Punkt:
wollt ihr dann lesen, wem es genauso ging und wie derjenige in der Dusche umgekippt ist und sich den Schädel an der Armatur aufgeschlagen hat?
Wollt ihr dann erfahren, wessen Schwippschwägerin "das" auch schon hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt, weil sie einen schweren Schlaganfall erlitt?
Wollt ihr dann lesen, wer am Steuer ohnmächtig wurde und einen schweren Unfall verursacht hat?
Wollt ihr dann lesen, wer mit gleicher Symptomatik mittlerweile erfolglos das 5. Medikament ausprobiert? 
Nee, ne?!

Überraschung:


ICH AUCH NICHT!


Leuts, was stimmt mit euch nicht?!


Mann, Mann, Mann...
Zur Strafe heute kein Foto für euch!


PS: Hört auf eure Ommas!

Sonntag, 15. April 2018

Porsche-Panik

Kurz bevor der Teamchef sich in den 3-wöchigen Urlaub verabschiedete, hatte er sich ein neues Auto gegönnt: einen Porsche.

Aus dem Urlaub zurück, wollten wir, als kriecherische gute Untergebene, natürlich wissen, wie sich die neue Karre denn so fährt: 
"Na Chef, ordentlich damit rumgeheizt?"

"Och, naja, rumgeheizt wäre jetzt zuviel gesagt. Ich bevorzuge den defensiven Fahrstil!"

Defensiv mit einem Porsche unter'm Hintern??
Nu ja, warum nicht, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, gell?

"Und bei dem noch eisigen Wetter will ich vermeiden, dass das gute Stück womöglich ausbricht."

Aha.
Übersetzt: der Kauf des Wagens hatte so dermaßen das Budget gesprengt, dass Winterreifen erst im nächsten Winter drin bzw. dran sind.

"Und wie war Ihr Urlaub? Mit Ihrer Frau haben sie doch bestimmt einige rasante Fahrten ins Blaue unternommen."

"Ach, ja, nein. Meine Frau fährt nicht gerne asphaltnah wegen ihrem Rücken."

"Rücken" - so so.
Das kann ich gut verstehen.
Einer der Börsenottos hat mich mal mit einem tiefergelegten Spochtwagen abgeholt und dieses Gefühl, dass man knapp über'n Asphalt schrappt, ist jetzt nicht soooo dufte, auch wenn der Typ mir vorher einen Orgasmus auf Bordsteinpflaster prophezeit hatte (war gelogen).
Jeeps und Tiefliegende - geht mir weg damit! Sowas mögen nur Männer und Jutta Kleinschmidt.

"Können wir uns das Prachtstück denn mal anschauen? Parken Sie hinter'm Haus, wie immer?"

"Öh, ja, äh, nein, äh, das heißt: ich bin nicht mit dem Porsche da, sondern mit dem Passat."

Porsche, Passat, da kann man schon mal durcheinander kommen, gell?

"Hm, aber Sie bringen den Schlitten doch mal mit, oder? Schließlich wollen wir ihn alle mal sehen."

"Öhm, ja sicher, äh, irgendwann mal. Später. Ich habe mich noch nicht so ganz an den Wagen gewöhnt. Er hat sowas Aggressives."
...sprach's und verpisste sich in sein Büro.

Irre, der Typ hat Angst vor seinem eigenen Auto!
Das ist in ungefähr so, als würde eine Frau vor ihren Louboutins davonrennen...
Aber sowas wird man(n) niemals jemals erleben, gell, die Damen ;-)

Samstag, 14. April 2018

8


Im Märzen 2010 schrub ich meinen ersten Blogeintrag.
Puh, was war das aufregend!
Mein Geschriebenes konnten nun Millionen Menschen da draußen an den Displays lesen!
Und Millionen sind es tatsächlich gewesen, meint Google Analystatistics, nämlich
2.369.356.

Hach, waren das tolle Jahre:
ich hatte endlich ein Medium gefunden, wo ich so richtig rauslassen konnte und mich gleichzeitig in meinem Hobby, dem Schreiben, üben konnte.

Ich habe euch teilhaben lassen an Höhen, Tiefen, Beziehungsproblemen, Trennungen, Schwangerschaften, Todesfällen und Hardcoredating, habe mich ausgelassen über meine Erfahrungen mit Ämtern und anderen Bekloppten.

Es wurde diskutiert, Informationen ausgetauscht, gelacht, geweint, kritisiert.
Ihr habt mir die Krone geradegerückt, wenn mal was schief lief und ihr habt mir den Kopf geradegerückt, wenn ich mit meiner verqueren Denke den Wald vor lauter Bäumen nicht sah.

Und mit manch anderen Bloggern ergab sich sogar privat was.

Hach, schee war's....



8 Jahre später:
Mal abgesehen davon, dass ich, seit ich wieder arbeite, kaum Freizeit habe, habe ich das Gefühl, es ist alles gesagt, was gesagt werden musste/sollte/wollte/konnte.

Und mit 50 ist man offensichtlich nicht mehr dieselbe wie mit 42:
Situationen, Umstände, Einstellungen, Meinungen, Befindlichkeiten ändern sich.
Die Altersmilde hat zugeschlagen und ich rege mich nicht mehr genug auf, um feurige Blopgposts zu schreiben.

Ein, zwei Sätze in den Facebook-Status geklöppelt oder ein 14 sec.-Filmchen bei Instagram gevlogt - ok, dafür reicht's gerade noch.

Vieles, was ich vor 5 Jahren z. B. noch für bloggenswert hielt, lässt mich heute völlig kalt.
Immer öfter auch der Gedanke: wen interessiert's??

Was mir mittlerweile auch das Posten, Bloggen oder sonstiges öffentliches Gequatsche vergällt (kennt das Wort noch jemand??), ist diese neue Spezies von Arschkrampen:
die social warrior.
Hölle, ey!
Diese digitalen Gutmenschen, die alles und jeden korrigieren und zurechtweisen müssen, hinweisen auf die noch so winzigkleinste political uncorrectness, zwar grammatikalisch einwandfrei und (fast immer) höflich, aber nervig, wie die Pest.
Kein Post, kein Status, den diese Nervensägen nicht kommentieren und mit ihrem Wissen meinen "bereichern" und relativieren zu müssen.
Böäch ey.
Dann lieber 'nen Troll.

A propos: bloggt heutzutage überhaupt noch irgendjemand?!
Es gibt tatsächlich Blogger, die schreiben seit Jahren stoisch vor sich hin.
Auch mit nur 3 Followern, die nicht mal kommentieren.
Chapeau.
So eine bin ich nicht, habe mich vorerst für die Quickie-Varianten Instagram, FB und Twitter entschieden.

Aber tu ich den Blog schließen?
Mein mittlerweile 8 Jahre altes Baby (2. Schuljahr, oder)?
Och... nö.
Hab soviel Herzblut reingesteckt und mir die Finger wund getippt.

Vielleicht kommen irgendwann wieder bessere Zeiten (whatever "besser" means) und ich habe ich irgendwann richtig viel Zeit und gleichzeitig 'nen freien Kopf und ein top Thema.
Ihr werdet auf jeden die Ersten sein, die es erfahren.
Versprochen!

Mittwoch, 14. Februar 2018

"Titty Twister" oder "Wie ich eine Mammographie überlebte"

Valentinstag 2017 hatte ich einen Termin zur Krebsvorsorge beim Gyn.
Da war trotz meines Singlestatus' untenrum was los.

Für Valentinstag 2018 hatte ich Glückspilz einen Termin zu meiner 1. Mammographie zugeschickt bekommen und so war auch für obenrum gesorgt.

Ich machte mich also auf die Jagd nach Erfahrungsberichten, live und im Internet.

Zuerst irritierte mich, dass die meisten Frauen steil gehen bzw. gar nicht hin, weil sie sich "entmündigt" und "bevormundet" fühlen, dass ihnen da ein fixer Termin vorgesetzt wird.
Grundgütiger.
Geht's noch?!
Mal abgesehen davon, dass man diese Termine auch absagen oder verschieben kann (aber dafür müsste man ja ein Telefonat führen, so richtig mit Nummer wählen und reden und so), freue ICH mich über jede Erledigung, die mir abgenommen wird.

Ich befragte also Frauen.
Tenor:
"Das ist soooo schmerzhaft!"
"Mir wurde schwarz vor Augen!"
"Ich hatte anschließend blaue Flecken!"
"Je kleiner die Oberweite desto größer der Schmerz!"

Oha.
"Naja", dachte ich, so als schmerzempfindliche Kleinbrüstige, "man MUSS da ja nich hin, ne..."

Aber unser UrOmma war an Brustkrebs gestorben und der Kleine Fabian, mein Gyn, riet mir dringend zu, weil er allein mit tasten und Ultraschall nicht alles erfassen kann, was in so 'nem Busen vor sich geht, und auch er warnte: "Das tut aber weh!"



Und so ging ich heute nervös as fuck zum Screening Center.
Aber nicht die Angst vor einem schlimmen Ergebnis ließ mich bibbern, sondern der Gedanke an AUA! KOLLAPS! und HÄMATOME!

Tja...

Hm...

Die gute Nachricht:
Das Ganze ging so schnell, dass ich nicht mal das Parkticket latzen musste, weil ich noch unter den 15 Freiminuten lag.

Die schlechte Nachricht:
Die Busenzurechtrückerin hatte kalte Hände.

Anders ausgedrückt:
auf meiner Liste der schmerzhaften Dinge, von 1 bis 10, also von Blasenspiegelung über Aphten bis Wurzelbehandlung - da steht die Mammographie gar nicht mit drauf.
Weil's nicht weh tut.
Was soll da auch weh tun?!
Druck ja, ok, aber von "Schmerzen" oder "unangenehm" ist das meilenweit entfernt. Ich musste nicht mal veratmen.
Klar, jeder hat ein anderes Schmerzempfinden, ich zum Beispiel stehe bei der alljährlichen Zahnreinigung jedesmal kurz vorm Kollaps.

Ich vermute mal ganz stark, dass Damen, die bei der Mammo den Adler machen, das nicht aufgrund eines unerträglichen Schmerzes taten, sondern aufgrund der beschissenen Gesamtsituation:
- von anderen gehört, dass das scheußlich weh tut
- fremde Ärzte und Arzthelferinnen in unbekannten Räumlichkeiten, die
- mit kalten Pfoten an intimen Stellen rumfummeln
- der Busen eingeklemmt in einem riesigen medizinischen Apparat
- Angst vor Röntgenstrahlung
- Angst vor einem eventuell negativen Ergebnis
Vor lauter Aufregung nicht gefrühstückt, hyperventiliert, usw. usw.

Ich wiederhole es gerne nochmal:
MAMMOGRAPHIE TUT NICHT WEH!
Das schwört euch eine, die an ganz schlechten Tagen dem Zahnarzt bei der Zahnsteinentfernung von der Liege springt!

Also geht hin, klatscht denen eure Bälle auf den Tisch und lasst tun, was getan werden muss!

Das Ergebnis erhält man übrigens innerhalb der nächsten 10 Tage.

Freut mich, wenn ich helfen konnte.

Tüdelü.